Um eine Frage zu stellen:

FAQ


Der Islam stützt sich auf fünf Säulen (arkān), die die wesentlichen Glaubensinhalte der Religion widerspiegeln und das Leben einer gläubigen Muslimin/eines gläubigen Muslims entscheidend prägen. Die erste und damit die zentrale Säule ist das Glaubensbekenntnis (aš-šahāda): "Ich bezeuge, dass es keine Gottheit außer Gott gibt und dass Mohammed der Gesandte Gottes ist." Damit bekennt man sich zum Islam. Das rituelle Gebet (as-ṣalāh) ist die zweite Säule des Islam. Sie schreibt den MuslimInnen das Verrichten des fünfmaligen Gebetes am Tag - morgens, mittags, nachmittags, abends und nachts - vor. Die dritte Säule beinhaltet das Fasten im Monat Ramadan (as-ṣiyām), gefolgt von der jährlichen Pflichtabgabe (az-zakāh) und der Pilgerfahrt nach Mekka (al-Ḥaǧǧ) für jeden, der dazu materiell in der Lage ist.

Unter dem Hadsch wird die Pilgerfahrt nach Mekka verstanden, die eine der fünf Säulen des Islam abbildet. Jede Muslimin/jeder Muslim, die/der materiell in der Lage ist, sich diese Reise zu leisten, ist verpflichtet, einmal in ihrem/seinem Leben die Kaaba in Mekka zu besuchen, um die Riten der Pilgerfahrt vollziehen zu können. Die Pilgerfahrt findet jedes Jahr im letzten Monat des islamischen Mondjahres vom 7. bis 13. Ḏū l-Ḥiǧǧa statt. Zu den festen Bestandteilen des Hadsch gehören das Anlegen des Pilgergewandes, der Weihezustand (iḥrām), das siebenmalige Umkreisen (ṭawāf) der Kaaba, der siebenmalige Lauf (sa'y) zwischen den Hügeln aṣ-Ṣafā wa-l-Marwa, der Aufenthalt in der Gegend von Muzdalifa, das Verweilen (wuqūf) am Berg Arafat, die symbolische Steinigung des Teufels sowie die Abschiedsumkreisung der Kaaba.

Jedes Jahr nehmen rund zwei Millionen MuslimInnen an der Pilgerfahrt teil und es ist der Höhepunkt des religiösen Lebens einer Muslimin/eines Muslims, Schulter an Schulter mit Tausenden anderen Menschen aus aller Welt zu sein.

Das Wort Islam bedeutet Hingabe an Gott. Islam geht im Arabischen auf die Wurzel s-l-m zurück und kann je nach Ableitung verschiedene Bedeutungen wiedergeben. Mit dem arabischen Verbum aslama (Heinz Halm, Der Islam, 2000) ist "übergeben, sich ergeben, sich hingeben" gemeint. Weiters werden die Formen silm und salam abgeleitet. Nach einer Übersetzung von Yaşar Nuri Öztürk (400 Fragen zum Islam, 20009) bedeutet silm Ergebung, Frieden und Vertrauen, während salam Glück, Wohlbefinden und Vertrauen heißt. Im Koran heißt es dazu: "Wer sich Gott ergibt (aslama) und dabei rechtschaffen ist, dem steht bei seinem Herrn ein Lohn zu." (2:112). Ebenso liest man in Sure 10, Vers 25: "Gott ruft zur Wohnstätte des Friedens."

Das Wort Islam beinhaltet im Kern also den Glauben an die Existenz und die Einheit Gottes, die Hingabe an Gott, den Frieden, das Vertrauen, das Glück und das Wohlbefinden.

Ja, die erste Säule des Islam ist das Glaubensbekenntnis (aš-šahāda) und lautet wie folgt: "Ich bezeuge, dass es keine Gottheit außer Gott gibt und dass Mohammed sein Diener und Gesandter ist" (Ashhadu an lā ilāha illā ʾllāh wa Ashhadu anna Muḥammadan 'abduhu wa rasūluh).
Das Aussprechen dieses Glaubensbekenntnisses vor Zeugen ist die erste Voraussetzung, um Muslimin/Muslim zu werden. Mit dieser zweiteiligen Formel bekennt sich die Muslimin/der Muslim zur absoluten Einheit und Einzigkeit Gottes und bezeugt die Gesandtschaft des Propheten Mohammed.

Das moderne Leben stellt die Menschen vor neue Herausforderungen und Fragen, die beantwortet werden müssen. Zum Beispiel müssen Fragen der Gentechnik, der Organtransplantation oder der religiös motivierten Gewalt behandelt werden. Da der Islam keine kirchenähnlichen Strukturen besitzt und daher auch kein Lehramt hat, wendet man sich bei Bedarf an religiöse Experten, Gelehrte und Würdenträger oder an eine entsprechende Behörde.

Eine Fatwa ist ein religiöses Gutachten eines Experten, das auf den wichtigsten Rechtsquellen basiert. Da das Gutachten nur von einem Experten erstellt werden kann, hat sich in vielen Ländern die Institution des Muftis entwickelt, der für religiöse Fragen zuständig ist. Auch in Österreich gibt es einen Mufti, der berechtigt wäre, religiöse Gutachten zu erstellen. Der österreichische Mufti ist ein Organ der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ). Auch wenn es sich bei einer Fatwa in erster Linie um eine Empfehlung bzw. um eine Klarstellung handelt, die keine Rechtsverbindlichkeit hat, ist der Erfolg einer Fatwa mit der Autorität ihres Autors eng verknüpft. Dabei darf nicht vergessen werden, dass jede Fatwa die eigene Interpretation eines Gelehrten ist und nicht als Dogma, geschweige denn als integraler Bestandteil der Religion verstanden werden darf.

Das Wort Halal bedeutet "rein, erlaubt" und bezeichnet alle Handlungen und Dinge, die religiös erlaubt sind und für die es keinerlei Einschränkungen gibt. Haram, das religiös Verbotene, bezeichnet diejenigen Dinge, die in islamischen Quellen eindeutig verboten sind. Alles, was nicht verboten ist, ist erlaubt und wird als halal bezeichnet. So sind alle Dinge als erlaubt zu betrachten, bis sie ausdrücklich untersagt werden. Daher ist auch verständlich, dass die Anzahl der Einschränkungen deutlich geringer ist als die der erlaubten Handlungen.

Unter dem Begriff "Hadith" sind alle Überlieferungen subsumiert, die dem Propheten Mohammed zugeschrieben werden. Dabei handelt es sich um Berichte über Aussprüche, Taten, schweigsame Billigungen, physische Merkmale und Charakteristiken sowie um biographische Daten des Propheten. Es ist wichtig, zu erwähnen, dass die Sunna (Tradition) des Propheten, die in Hadithen überliefert worden ist, als die zweitwichtigste Quelle des Islam gilt. Über die Niederschrift der Hadithe gibt es widersprüchliche Informationen. Sicher ist jedoch, dass es zur Sammlung und Systematisierung der Hadithe erst ca. 150 Jahre nach dem Ableben des Propheten gekommen ist. In der islamischen Theologie haben sich seit der Kanonisierung der Hadithe sechs Hadithsammlungen (al-kutub al-sitta) durchgesetzt, die als authentisch eingestuft werden:

  1. Al-Bukharis (gest. 870) Sammlung der authentischen Hadithe (al-dschami al-sahih)
  2. Muslims (gest. 875) Sammlung der authentischen Hadithe
  3. Ibn Madschas (gest. 887) Die authentischen Hadithe (al-sahih)
  4. Abu Dawuds (gest. 888) Die Praxis des Propheten (al-sunan)
  5. Al-Tirmidhis (gest. 892) Die Praxis des Propheten (al-sunan)
  6. Al-Nasais (gest. 915) Die Praxis des Propheten (al-sunan)

Gegenwärtig herrscht eine innerislamische Debatte über die Authentizität und den angemessenen hermeneutischen Zugang und zur Verbindlichkeit dieser Aussagen, die dem Propheten Mohammed zugeschrieben werden. Betrachtet man die einzelnen Überlieferungen, so wird klar, dass ein kritischer Umgang mit den Texten unabdingbar ist.

Wenn man von der Einheit und Einzigkeit Gottes überzeugt ist, die Absicht zum Übertritt hat und die Glaubensgrundsätze akzeptiert, wird man durch das Aussprechen des islamischen Glaubensbekenntnisses vor Zeugen zur Muslimin/zum Muslim: "Ich bezeuge, dass es keine Gottheit außer Gott gibt und dass Mohammed sein Diener und Gesandter ist" (Ashhadu an lā ilāha illā ʾllāh wa Ashhadu anna Muḥammadan 'abduhu wa rasūluh).

Allāhu Akbar bedeutet im Arabischen "Allah ist größer" bzw. "Allah ist am größten". Diese Formel ist als Takbir bekannt, wird im muslimischen Alltag bei verschiedenen Gelegenheiten ausgesprochen und weist auf die Einzigartigkeit Gottes hin. Der Gebetsruf der Muslime (aḏān) beginnt mit den Worten "Allāhu akbar, allāhu akbar", das Gebet wird mit diesem Takbir angefangen, während der Pilgerfahrt wird das Takbir ausgesprochen wie auch bei anderen Riten des Islam.

Durch die Terroranschläge und die undifferenzierte mediale Berichterstattung entwickelte sich leider der Begriff immer mehr zum Symbol der radikalislamischen Szene. Es ist aber eine ganz gewöhnliche, gekürzte Version der Bekundung des Glaubensbekenntnisses, die die MuslimInnen sehr oft benutzen.

Historisch betrachtet entstand die erste Moschee im Hof des Hauses des Propheten Mohammed in Medina und war teilweise mit Palmblättern bedeckt. Dieser Hof war ein Modell für die im Laufe der ersten Jahrhunderte entwickelte offene Hofmoschee. Erst mit der Ausdehnung des Islam entwickelten sich verschiedene architektonische Bauarten von Moscheen, die unter den Osmanen ihren Höhepunkt erreichten.

Zu den charakteristischen Merkmalen islamischer Moscheearchitektur entwickelte sich auch das Minarett (arab. manāra, "Wegweiser", "ein Ort, der Licht gibt"). Das erste Minarett, das als solches erkennbar war, wurde 678 unter der Herrschaft Muʿāwiyas in Kairo/Ägypten erbaut. Es wird vermutet, dass der Kalif Muʿāwiya für den Bau der Minarette die christlichen Türme Ägyptens, Syriens und Iraks als Vorbild nahm.

Auch wenn die Minarette keine religiöse Verpflichtung darstellt, wurde sie ab dem 9. Jahrhundert zum integralen Bestandteil der Moscheearchitektur. Diese Tradition dauert bis zur Gegenwart an. Leider sind die aktuellen Debatten um Moschee- und Minarettbau fernab von jeglicher Sachlichkeit und werden für politische Ziele missbraucht. Unabhängig davon, welche Bedeutung einem Bauteil eines religiösen Objektes beigemessen wird, gehört die Sichtbarkeit der religiösen Objekte zu den Grundelementen einer pluralen Gesellschaft. Sie ist außerdem auch ein Zeichen der Beheimatung für die Zugehörigen der jeweiligen Glaubensgemeinschaft.

Der Islam ruft die Menschen zum Guten auf und will sie vom Schlechten abhalten. Eine klare Aufzählung der 10 Gebote, wie wir sie aus der jüdisch-christlichen Tradition kennen, gibt es im Islam nicht. Jedoch findet sich einiges der 10 Gebote in der einen oder anderen Art und Weise auch im Islam wieder. Dazu gibt es genügend Beispiele im Koran: "Wisse denn (o Mensch), dass es keine Gottheit gibt außer Gott, ..." (47:19); "Und tue (deinen Eltern) Gutes" (17:23) oder "Und überdeckt nicht die Wahrheit mit Falschheit, und unterdrückt nicht wissentlich die Wahrheit" (2:42).

Aus der prophetischen Tradition ist uns der Aufruf zur guten Nachbarschaft bekannt: "Wer an Allah und den Jüngsten Tag glaubt, der soll seinen Nachbarn ehren" (Prophet Mohammed). Eine weitere Aussage des Propheten lautet: "Der beste von euch ist derjenige, der der Gesellschaft am nützlichsten ist".

Es gibt sie also im Koran, nicht aber in einer aufgelisteten Form wie die 10 Gebote, sondern vielmehr als allgemeine Gebote, die für das Gemeinwohl der Menschen bestimmt sind und im Alltag umgesetzt werden sollten.

Wir leben in einer Zeit, die durch Terror, Angst, Bedrohung und Kriege im Nahen Osten geprägt ist. In den letzten Jahren haben sich viele terroristische Organisationen gebildet. Eine davon ist auch der sogenannte "Islamische Staat", der unter dem Deckmantel der Religion seine Verbrechen gegen die Menschlichkeit religiös zu legitimieren versucht. Klar ist, dass die religiösen Quellen aller Religionen ambivalente Aussagen beinhalten, die sowohl friedensstiftend als auch gewaltfördernd sein können. Daher stellt sich in diesem Kontext die Frage, welchen Zugang wir zu religiösen Texten und Aussagen in ihnen haben müssen, um den friedensstiftenden Aspekt der Religion in den Vordergrund zu stellen. Der IS und andere terroristische Organisationen versuchen genau das Gegenteil und betonen Verse aus dem Koran, die auf den ersten Blick zu Gewalt aufrufen mögen oder die man für die Propagandamaschinerie benutzen kann. Dabei stellt man sie jedoch in einen falschen Zusammenhang und überträgt ohne Kontextualisierung alles einfach in die Gegenwart: So gibt es Beispiele, die dezidiert auf eine bestimmte historische Situation bezogen sind, welche jedoch unerwähnt bleibt, oder allzu oft eine wortwörtliche Interpretation der Offenbarung.

Deshalb ist es wichtig zu unterstreichen, dass der Islam die Menschen ebenso dazu aufruft, in Frieden miteinander zu leben und zugleich sogar jede Form von Gewaltanwendung oder Krieg verbietet. Es heißt im Koran, dass wenn man einen Menschen tötet, sei es so, als habe man die ganze Menschheit getötet, während, wenn irgendeiner ein Leben rettet, so sei diese Tat zu werten, als habe man der ganzen Menschheit das Leben gerettet (5:32).

Im Islam geht man davon aus, dass alle Menschen mit einer natürlichen Veranlagung (fiṭra) geboren werden: "Und so richte dein Gesicht standhaft zu dem (einen immer wahren) Glauben hin und wende dich ab von allem, was falsch ist, in Übereinstimmung mit der natürlichen Veranlagung, die Gott dem Menschen eingegeben hat, ..." (30:30).

Dieses Konzept besagt, dass jeder Mensch in der Lage ist, von Natur aus Gott zu erkennen. Daher werden Kinder nicht getauft, da man davon ausgeht, dass sie von Geburt an gottergeben sind. Einem Neugeborenen wird lediglich der Adhan (Gebetsruf) ins Ohr geflüstert.

Im Koran gibt es drei Verse, die als Grundlage für das Kopftuch herangezogen werden. Diese befinden sich an den Stellen 24:30-31, 33:53 und 33:59 und werden von MuslimInnen verschieden interpretiert.

"Sag den gläubigen Männern, dass sie ihren Blick senken und auf ihre Keuschheit achten sollen: dies wird für ihre Reinheit am förderlichsten sein - (und) wahrlich, Gott ist all dessen gewahr, was sie tun. Und sag den gläubigen Frauen, ihren Blick zu senken und auf ihre Keuschheit zu achten, und nicht ihre Reize (in der Öffentlichkeit) über das hinaus zu zeigen, was davon (schicklicherweise) sichtbar sein mag; darum sollen sie ihre Kopfbedeckungen über ihre Busen ziehen" (24:30-31).

Im arabischen Original wird hier das Wort ḫimar verwendet. Dieses war die damals übliche Kopfbedeckung der arabischen Frauen auch vor der Ankunft des Islam. Aus dem Koran geht nicht eindeutig hervor, wie die Form der Kleidung auszusehen hat und welche Körperteile unbedingt wie verhüllt werden müssen. Daher haben sich im Laufe der Zeit unterschiedliche Arten muslimischer Kleidung gebildet, je nach Region, vorherrschender religiöser Meinung und lokaler Traditionen. Die Interpretationen umfassen ein Spektrum von nur das Dekolleté zu bedecken ohne Kopftuch zu tragen, bis hin zum Gesichtsschleier und Ganzkörperverschleierung. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Mehrheit der MuslimInnen die betreffende Stelle so versteht, dass das Tragen des Kopftuches eine religiöse Verpflichtung ist. In diesem Zusammenhang sei jedoch betont, dass die Kopfbedeckung oder Verhüllung trotz dieser Tatsache weder aufgezwungen werden noch dazu führen darf, dass Frauen, die keine Kopfbedeckung tragen als unmoralische Menschen betrachtet werden. Die Ausübung einer religiösen Vorschrift ist eine persönliche Interpretation und Entscheidung des einzelnen Menschen. Das oberste Gebot des Islam lautet auch diesbezüglich: "Es soll keinen Zwang geben in Sachen des Glaubens" (2:256).

Der Sufismus, auch Sufik (arab. taṣawwuf) genannt, bezeichnet die mystische Dimension des Islam mit ihren unterschiedlichen Facetten. Das Wort leitet sich ursprünglich von "ṣūf" (arab. "Wolle") ab, was für das Wollgewand der Asketen steht, die einer religiösen Strömung angehören, welche die Hingabe an Gott und religiöse Ergriffenheit in den Mittelpunkt stellt.

Sufismus bedeutet, aktiv einem spirituellen Weg zu folgen, der auf dem Koran und der Sunna basiert. Dabei begeben sich die Sufis auf eine Reise hin zu Gott und vollziehen damit die nächtliche Himmelsreise des Propheten zu Gott nach. Der Weg, auf den sich der Suchende begibt, wird Pfad (ṭarīqa) genannt und führt ihn durch mehrere Stationen (maqāmāt) bis er am Ende sein höchstes Ziel erreicht. Das Göttliche wird oft als Meer symbolisiert, in dem das individuelle Selbst aufgeht wie ein Tropfen. Dabei gibt es keinen feststehenden Weg, da mystische Erfahrungen als Gottes Gnade angesehen werden. Es gibt aber verschiedenen Stufen des Aufstieges, die unterschiedlich kombiniert werden können. Dazu gehören Reue, das Abwenden von der Welt und irdischen Begierden, Gottvertrauen, die Hingabe an Gott, Geduld und vieles mehr. Auf dieser Reise ist ein spiritueller Führer (muršid, pīr oder šaiḫ genannt) von essentieller Bedeutung, weil dieser den Weg schon gegangen ist und deshalb davon ausgegangen wird, dass er den Schüler (murīd) begleiten und anleiten kein auf seinem Weg.

Das Wissen der Sufis beruht auf Erfahrung, was bedeutet, dass es nur bedingt über Bücher weitergegeben werden kann. Der Schüler braucht ein Vorbild, einen Lehrer, der ihn auf dem Sufi-Pfad begleitet und anleitet. Die Funktion des Lehrers ist es daher, den Geist des Schülers zu öffnen, damit er seinen Weg zu Gott finden und beschreiten kann.

Im Unterschied zu einer Moschee gibt es bei der Gruppe der Aleviten eine Versammlungsstätte, die "Cem Evi" genannt wird. Die Cem-Zeremonie ist der zentrale Gottesdienst der Aleviten und der Ausdruck "Cem-Evi" kommt aus dem Türkischen und bedeutet "Versammlungshaus". Hier kommen die Gläubigen zum Gebet zusammen, gleichberechtigt Männer wie Frauen. Es wird in der jeweiligen Muttersprache gebetet und der Gottesdienst wird von einem sogenannten Pir (Wegweiser, Lehrer) geleitet, der Nachfahre des Propheten ist. Das rituelle Mahl, das Austeilen von Segenswasser, das Erwecken des Lichts sowie Semah, der religiöse Gebetstanz, sind einige der Rituale eines Cem. Ein Cem dient als ein Zentrum für die Mitglieder der Gemeinde.

Nein. Das Tragen eines Schleiers oder die Ganzkörperverschleierung ist der Mehrheit der islamischen Gelehrten zufolge ein Brauch aus der vorislamischen Zeit im arabischen Kulturraum. Diese Kleidungsgewohnheiten wurden auch nach der Einführung des Islam nicht verändert, obwohl es Belege dafür gibt, dass der Prophet Mohammed unpassende Bekleidungsvorlieben sowohl von Männern als auch von Frauen kritisiert hat.

Die Mehrheit der MuslimInnen hat sich auf drei Prinzipien bezüglich der Kleidung geeinigt:

1) Bedecken des Intimbereiches,
2) Sauberkeit und Schönheit der Kleidung sowie
3) Vermeidung von Prunk/Zurschaustellen von Reichtum.

Diese Regeln werden bis heute geachtet, es haben sich aber je nach Kulturraum verschiedene Bekleidungsformen entwickelt.

MuslimInnen werden in Sure 2 Vers 185 dazu verpflichtet, im Monat Ramadan zu fasten. Im gleichen Vers wird ebenfalls erwähnt: "... Gott will, dass ihr Erleichterung habt, und will nicht, dass ihr Härte erleidet ...". Kranke oder Reisende ebenso wie Schwangere und stillende Mütter sind deshalb vom Fasten befreit und müssen es zu einem späteren Zeitpunkt nachholen. Das Fasten darf nicht als Vorwand für das Fernbleiben von der Arbeit herangezogen werden. Daher ist es selbstverständlich, dass man auch während des Fastenmonats wie gewohnt arbeitet. Falls das Fasten der Person jedoch gesundheitlichen Schaden zufügt, obliegt es ihr selbst, zu bewerten, ob sie dementsprechend weiter fasten soll oder nicht.

Das rituelle Gebet (ṣalāh) ist die zweite Säule des Islam. Sie schreibt MuslimInnen das Verrichten des fünfmaligen Gebetes am Tag vor. So wurden die fünf Gebete nach den Tageszeiten benannt:

  • faǧr (Morgengrauen),
  • ẓuhr (Mittag),
  • 'asr (Nachmittag),
  • maġrib (Abend) und
  • 'ischā (Nacht)


Die Gebetsrichtung ist die Kaaba und vor dem Gebet muss die rituelle Waschung (wudu') vollzogen werden.

Jede Muslimin/jeder Muslim hat die Pflicht, das fünfmalige Gebet zu verrichten. Es ist jedoch nicht vorgeschrieben, dass dieses in der Moschee oder an einem speziellen Ort geschieht. Der Pflicht zum Gebet können gläubige MuslimInnen daher überall nachkommen. Es sollte lediglich darauf geachtet werden, dass der Boden, auf dem er/sie beten will, sauber und nicht verunreinigt ist. Zwischen den einzelnen Gebeten besteht eine gewisse Zeitspanne, innerhalb der das Gebet verrichtet werden darf, d.h. das Mittagsgebet kann man bis kurz vor dem Nachmittagsgebet verrichten. Es gibt auch Rechtsschulen, die das Nachholen eines versäumten Gebetes zu einem späteren Zeitpunkt erlauben, jedoch gibt es dafür bestimmte Kriterien und es wird im islamischen Recht als makrūh (unerwünscht, verhasst) betrachtet. Auch gibt es Möglichkeiten, zwei Gebete zusammenzulegen, dies darf allerdings nicht jeden Tag passieren.

Je nach Arbeitszeiten stellt sich für die meisten MuslimInnen die Frage, wann man das Mittags- und Nachmittagsgebet während des Arbeitsalltages verrichten kann. Da es aber einige wenige Minuten dauern kann, besteht meist die Möglichkeit, in der Pause - sei es zu Mittag oder während einer Kaffeepause - oder in Absprache mit dem Vorgesetzten das Gebet zu verrichten.

Der Islam legt viel Wert auf eine gesunde Lebensweise des Menschen. Es gibt viele Aussagen des Propheten Mohammed, in denen er MuslimInnen dazu auffordert, Sport zu treiben und dieses den Kindern beizubringen. Speziell werden das Schwimmen und das Reiten namentlich erwähnt. Es gibt also keinen Grund, diese Möglichkeit zu verwehren, jedoch sollte auf die Bedürfnisse der SchülerInnen Rücksicht genommen werden, wenn sie aus religiösen Gründen bestimmte Körperteile bedecken wollen.

Das Wort ḫalīfa kommt im Koran an mehreren Stellen (2:30, 6:165, 10:73, 27:62, 35:39, 38:26) vor und wird mit "Statthalter", "auf Erden einen Nachfolger einzusetzen" oder "er wird die Erde erben" übersetzt.

Im islamischen Verständnis bezeichnet Gott im Koran mit dem Begriff ḫalīfa alle Menschen gleichermaßen als Statthalter und als Erben der Erde. Da der Mensch mit besonderen Eigenschaften und Fähigkeiten ausgestattet wurde und ein vernunftbegabtes Wesen ist, das zwischen Recht und Unrecht unterscheiden kann, besitzt er eine rechtmäßige Oberhoheit auf Erden.

Von einem Kalifat, wie wir es heute kennen, ist hier nicht die Rede. Erst nach dem Tode des Propheten Mohammed begann man den Begriff einzuschränken und es entwickelte sich eine politische Institution, die von nun an Kalifat hieß. Die späteren Kalifendynastien nutzten den Begriff "Kalifat" als Legitimationsstrategie für die Herrschaft über die arabische und später die islamisch geprägte Welt. Diese Institution ist aber aus gesellschaftlichen und keineswegs aus religiösen Bedürfnissen entstanden. Religiös gesehen wird das Wort ḫalīfa lediglich als Synonym für das Wesen des Menschen verwendet. Leider wurde der Begriff, wie viele andere Begriffe auch, politisiert und im Sinne eigener Interessen umgedeutet.

Der Salafismus gibt vor, die "wahre Religion" und der "echte Islam" zu sein. Dabei ist der Begriff nicht ganz eindeutig. Heute wird meist über die Strömung seit den 1990er Jahren gesprochen, deren Anhänger vorgeben, strenggläubig und fromm zu sein.

Die salafistische Ideologie wird heftig diskutiert, da sie sich gegen die islamischen Rechtsschulen und den Sufismus wendet und eine anti-rationale Einstellung propagiert. Aus dem salafistischen Denken ist eine Tendenz bemerkbar, alle theologischen Überlegungen, die nach den ersten drei Generationen (salaf) entstanden sind, als religiös irrelevant bzw. als verwerfliche Erneuerungen (bid'a) einzustufen. Sie sehen sich nicht als eine der vielen Rechtsschulen im Islam, sondern als DIE Rechtsschule des Propheten, der alle MuslimInnen ausnahmslos folgen müssen. Sie betrachten Vielfalt nicht als Bereicherung, sondern als Störung die beseitigt werden muss. Deshalb sind sie in ihren Ansichten kompromisslos und fest davon überzeugt, dass sie "die Wahrheit" besitzen - eine Haltung, die dazu führt, dass sie als "gefährlich" eingestuft werden. Sie neigen jedoch nicht zwingend zu Gewalt: Zwar sind viele gewaltbereite MuslimInnen Salafisten, jedoch gibt es auch eine große Zahl an Salafisten, die ihre Frömmigkeit im privaten Raum praktizieren. Daher darf nicht jede fromme Muslimin/ jeder fromme Muslim, die/der nach der Sunna strebt, zwangsläufig als fundamentalistische/r SalafistIn abgestempelt werden.

Es gibt viele Gründe, die zu einer Radikalisierung, insbesondere von Jugendlichen, führen können. Jugendliche, die anfällig für jegliche Art von Extremismus und Radikalisierung sind, sind meistens mit der aktuellen Lebenssituation unzufrieden und befinden sich auf der Suche nach Perspektiven, einem Sinn und Halt im Leben. Ein Radikalisierungsprozess kann sich beschleunigen, wenn Jugendliche eine positiv besetzte Bezugsperson finden, die Nähe zu ihnen zeigt und mit der man sich identifizieren kann. So werden Jugendliche in der Gruppe vorgestellt, im nächsten Schritt Teil der Gruppe. Dieser Platz in einer Gruppe wirkt als eine Alternative, da meist ein Gefühl des Ausgestoßenseins von der Gesellschaft oder ein mangelndes Zugehörigkeitsgefühl vorherrschen. Diskriminierungserfahrungen im Alltag - oft aufgrund von Migrationshintergrund - erzeugen Minderwertigkeitsgefühle und der Jugendliche gerät in eine Art von Opfermentalität.

Radikale Moscheevereine, "coole" Prediger auf Youtube und professionelle Seiten in sozialen Netzwerken, die extremistisches Gedankengut verbreiten, tragen maßgeblich zu Radikalisierungen bei. Viele Menschen beschäftigen die Fragen: "Was bin ich? Wer bin ich? Wo ist mein Platz auf dieser Welt?" Der Erfolg der radikalen Rhetorik liegt darin, dass sie Menschen klare und einfache Orientierung bieten und eindeutige Antworten auf die genannten Fragen geben, unterteilt in richtig und falsch, gut und böse. Besonders anfällig und manipulierbar sind daher Menschen mit schwachem Selbstwertgefühl, die über keinerlei religiös-theologisches Vorwissen verfügen.

Der Islam gehört mit seinen 1,6 Mrd. Anhängern zur zweitgrößten Weltreligion und besitzt eine Vielfalt an Denk- und Rechtsschulen. Bereits zu Lebzeiten des Propheten Mohammed gab es unter den MuslimInnen unterschiedliche Meinungen bezüglich einigen Lehren bzw. Interpretationen des Islam. Der Koran als Offenbarung Gottes wird zweifelsohne als unveränderlich angesehen, aber die Auslegung der Offenbarung ist eine Reaktion des menschlichen Geistes und beschränkt sich auf das Zeitliche.

Daher haben sich im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Auslegungen der Offenbarung entwickelt, die sich aber alle innerhalb des Islam bewegen und unter MuslimInnen akzeptiert sind. Sie unterscheiden sich in der methodischen Auslegung der Quellen, wodurch es zu unterschiedlichen juristischen Argumentationen kommt. Diese Meinungspluralität führt zu einer Vielfalt der Glaubens-, Denk- und Rechtsschulen. So etablierten sich in der sunnitischen Strömung bislang die vier großen Rechtsschulen - die hanafitische, malikitische, hanbalitische sowie die schafiitische Rechtsschule. Aus der schiitischen Vielfalt konnten sich hingegen die Alawiten, Zaiditen, die Ismaeliten sowie die Zwölferschia konstituieren. Die islamische Mystik bzw. der Sufismus stellt eine weitere Bereicherung der möglichen Auslegungen des Islam dar.

Aus islamischer Perspektive betrachtet ist der Mensch für seine Umwelt verantwortlich, da diese ihm zur Verfügung gestellt worden ist. Dazu gehören vor allem die Tiere. In diesem Zusammenhang ist es dem Menschen erlaubt Nutztiere zu halten, sie zum Transport zu nutzen und manche Arten auch zu verzehren. Bei den Haustieren gilt die Katze als rituell rein und ist generell erlaubt. Ebenso ihr Speichel. Bezüglich der Hunde hingegen gibt es unter den muslimischen Rechtsschulen verschiedene Meinungen, was seine rituelle Reinheit betrifft. Auch wenn die Mehrheit der Gelehrten die Hunde an sich als rituell rein betrachtet, wird sein Speichel als rituell unrein betrachtet, was für die Verrichtung der Gebete von Bedeutung ist.

Durch diese Betrachtungsweise der Gelehrten ist leider bei vielen Muslime eine unbegründete Aversion gegenüber Hunden entstanden, die weit über das Gebet hinausgeht. Dazu tragen leider auch einige Aussagen des Propheten Mohammed (Hadithe) bei, wenn sie nach dem Wortlaut und nicht im Kontext verstanden werden.

Die Spaltung der muslimischen Gemeinschaft in Sunniten und Schiiten war ursprünglich politisch begründet und findet ihren Ausgangspunkt in der Frage, wer dem Propheten in der Leitung der Gemeinschaft nachfolgen soll. Während sich die Mehrheit der MuslimInnen für Abu Bakr als Nachfolger entschied, vertrat eine kleine Gruppe die Meinung, dass Ali die Nachfolge antreten soll. Er war der Sohn des Onkels des Propheten und zugleich der Schwiegersohn des Propheten Mohammed. Diese Gruppierung nannte sich shi'at Ali, Partei Alis. Daraus leitet sich die Bezeichnung "Schiiten" ab. Infolgedessen gelten für die Schiiten die drei rechtgeleiteten Kalifen - Abū Bakr, ʽUmar, ʽUthmān - als Usurpatoren. ʿAlī b. Abī Ṭālib ist ihrer Auffassung nach der erste gottgewollte Nachfolger des Propheten. Die Sunniten lehnen jedoch diesen Vorwurf ab und akzeptieren ʿewo als den vierten und letzten rechtgeleiteten Kalifen. Daraus kann man schließen, dass der Glaube an ʿAlī und seine Nachfolger, den Imamen, zu den zentralen Bestandteilen der schiitischen Tradition gehört. Aus diesem Grund haben die Schiiten dem islamischen Glaubensbekenntnis den Zusatz "Bekenntnis zum Hause des Propheten" hinzugefügt.

Die beiden Glaubensrichtungen des Islam unterscheiden sich weniger in Glaubensinhalten als in der Religionsausübung. Grund dafür ist auch der unterschiedliche Umgang mit der zweiten Rechtsquelle des Islam, der Sunna des Propheten. Da die Nachfolge Alis, aus schiitischer Sicht, nicht unterstützt wurde, werden auch die Überlieferungen der Gefährten des Propheten als nicht vertrauenswürdig abgestuft und finden daher keinen Einzug in die Praxis.

Eine Übereinstimmung zeigen die beiden Hauptströmungen dagegen bei den folgenden Grundprinzipien des Islam:

  • der Einheit Gottes,
  • dem Prophetentum und
  • dem Glauben an die Auferstehung und den Jüngsten Tag

Der Prophet des Islam wurde 570 n. Chr. in Mekka, in einer angesehenen Familie des Stammes der Quraiš, als Mohammed, Sohn von Abdullah geboren. Als Waise wuchs er zunächst bei seinem Großvater, später bei seinem Onkel auf. Der Prophet begleitete als kleines Kind seinen Onkel auf dessen Handelsreisen und widmete sich später dem Handel. Als Karawanenbegleiter reiste er durch die arabische Halbinsel und machte sich einen Namen aufgrund seiner Fähigkeiten, seiner Aufrichtigkeit, seines edlen Charakters und seiner Vertrauenswürdigkeit. Dies brachte ihm den Beinamen "al-Amin", "der Vertrauenswürdige" ein. Mit 25 Jahren bot ihm die wohlhabende, verwitwete Kauffrau Ḫadīǧa die Ehe an. Er lebte mit ihr in einer glücklichen, monogamen Ehe, aus der vier Töchter und ein oder zwei Söhne hervorgingen, letztere verstarben jedoch früh. Mohammed beteiligte sich nie am herrschenden Vielgötterkult der Mekkaner und zog sich zeitweise zur Meditation in eine Höhle am Berg Hira zurück.

Mit 40 Jahren erhielt er durch den Engel Gabriel die Offenbarung, die 23 Jahre lang andauern sollte und zu verschiedenen Anlässen herabgesandt wurde. Anfangs ging es um den Aufruf zum Glauben an den einen und einzigen Gott, doch er fand wenig Anhänger und war den Verfolgungen und Misshandlungen der Mekkaner ausgesetzt. 622 wanderte er schließlich nach Medina aus, von wo aus er die neue Gemeinde aufbaute. 630 nahm der Prophet Mohammed die Stadt Mekka friedlich ein, 632 vollzog er die letzte Pilgerfahrt, die als "Abschiedswallfahrt" in die islamische Geschichte einging. Wenig später verstarb er im Alter von 62 Jahren und wurde in Medina beigesetzt.

Nach dem Eintritt des Todesfalles sieht die islamische Tradition bestimmte Handlungen, die durchgeführt werden müssen, vor. Zuerst folgt die Schließung der Augen, danach die Entkleidung, das Binden des Kinns, das Herstellen einer geraden Lage und die Aufbewahrung an einem kalten oder kühlen Ort. Danach muss die rituelle Waschung des Leichnams vorgenommen werden, der Tote wird dabei gewaschen, parfümiert und in ein weißes Tuch, bestehend aus drei Teilen, eingehüllt.

Das Totengebet ist ein Gemeinschaftsgebet, bei dem vor der Gemeinde der Leichnam aufgebahrt steht, hinter ihm der Imam, der das Gebet leitet. Das Gebet wird im Stehen und unter freiem Himmel verrichtet. Danach wird der Leichnam in die Erde gelegt. Dabei wird der Körper ohne Sarg auf seine rechte Seite gedreht, sodass er in Richtung der Kaaba schaut.

Die Waschung, das Totengebet und die Beerdigung sind kollektive Pflichten der islamischen Gemeinde und sollen so rasch erledigt werden, wie es möglich ist. Wer am Morgen stirbt, der soll noch am selben Tag beerdigt werden.

Im Islam gilt der Grundsatz: "Es soll keinen Zwang geben in Sachen des Glaubens." (2:256) Wer das Recht hat, zum Islam überzutreten, hat auch das Recht, vom Islam abzufallen. In islamischer Tradition gibt es Strafbestimmungen für eine Konversion, die bis zur Todesstrafe reichen. Solche Maßnahmen sind jedoch auf die Politik sowie bestimmte historische Umstände zurückzuführen und weniger auf die religiöse Logik. Laut koranischer Offenbarung gibt es für diejenigen, die vom Islam abfallen, keine weltliche Strafe, denn die potenzielle Bestrafung obliegt allein Gott.

Der Islam lässt den Menschen in Glaubensfragen die Freiheit, seine Überzeugungen zu wählen. So heißt es im Koran: "Und sag: 'Die Wahrheit (ist nun gekommen) von eurem Erhalter: lasse denn an sie glauben, wer will, und lasse sie verwerfen, wer will.'" (18:29) Auch der Prophet Muhammad hat vom Islam abfallende Personen nicht bestraft. Diese Wahl sollte jeder für sich treffen können, ohne jeglichen Druck verspüren zu müssen. Auch wenn muslimische TheologInnen die Auffassung vertreten, dass ein Abfall vom Glauben ein Fehler sei, so wird dennoch akzeptiert, dass eine Einmischung in diese Angelegenheiten nicht gestattet ist.

In einigen Staaten mit muslimischer Mehrheit werden erwähnte Strafen heute immer noch angewandt. Dies ist, unserer Auffassung nach, eine Instrumentalisierung und ein Missbrauch für politische Zwecke.

Männer und Frauen dürfen sich sehr wohl zur selben Zeit am selben Ort in der Moschee aufhalten, da das Gebet ja zu einer bestimmten Zeit erfolgt. Das bestätigt uns auch die Tradition des Propheten Muhammad. Es gibt sehr viele Beispiele, die deutlich zeigen, dass zu seiner Zeit sowohl Männer als auch Frauen in der Moschee gemeinsam gebetet haben.

Im Verlauf der Geschichte wurden die Frauen leider immer mehr von der Moschee verdrängt und dieses wirkt bis heute nach. Ein Grund dafür könnte darin liegen, dass die Frauen vom Freitagsgebet befreit sind. Größtenteils ist aber die patriarchalische Struktur der Gesellschaften in islamisch geprägten Ländern daran schuld. Außerdem war es sehr schwierig, in den Hinterhofmoscheen Europas geeignete Räume für Frauen zu schaffen, weil die Räume sehr klein und meistens überfüllt waren.

Es muss hier ein Umdenken dahingehend stattfinden, dass Frauen beim Erwerb neuer Räumlichkeiten berücksichtigt und bei der Planung miteinbezogen werden. Nur dadurch kann die Frau ihren Platz in der Moschee zurückerobern.

Im Koran, der wichtigsten islamischen Quelle, wird Jesus in fünfzehn der 114 Suren mehrmals erwähnt. Er wird in 90 Versen namentlich genannt und ist auch einer der 5 erhabenen Gesandten im Islam (Ulu l-azm). Der Status des Gesandten ist der höchste, den ein Mensch erlangen kann.

Jesus wird im Koran als ʿĪsā ibn Maryam erwähnt, was soviel wie Jesus, Sohn der Maria bedeutet. Er wird im Koran auch als Prophet (nabī), Gesandter Gottes (rasūlu ʾllāh), Diener Gottes (ʿabd-ullāh) und Messias (Der Gesalbte - masīḥ) sowie Wort Gottes (kalimat-ullah) bezeichnet. Trotz der enormen Bedeutung der Person Jesus im Koran wird eine Gottessohnschaft ausdrücklich abgelehnt. Wie alle anderen Gesandten ist auch er ein Überbringer der göttlichen Botschaft. Weiters erkennt der Koran auch die Wundertaten an, die Jesus mit Hilfe Gottes und als Bestätigung seiner Prophetie zustande brachte. Dazu heißt es im Koran: "Ich bin zu euch gekommen mit einer Botschaft von eurem Erhalter. Ich werde für euch aus Ton sozusagen die Gestalt (eures) Schicksals schaffen und dann ihr einhauchen, auf dass sie mit Gottes Erlaubnis (euer) Schicksal werden möge; und ich werde die Blinden und die Aussätzigen heilen und die Toten zum Leben zurückbringen mit Gottes Erlaubnis: und ich werde euch wissen lassen, was ihr essen mögt und was ihr in euren Häusern aufspeichern sollt. Siehe, in all diesem ist fürwahr eine Botschaft für euch, wenn ihr (wahrhaft) Gläubige seid." (3:49)

Der Begriff Scharia bezeichnet ein System von Normen (aḥkām) bzw. das islamische Normensystem. Dieses Normensystem wird in drei Normkategorien unterteilt - Glaubensnormen, Ethiknormen und Handlungsnormen. Vielerorts wird die Scharia mit dem islamischen Recht gleichgesetzt, obwohl letzteres lediglich ein Teilaspekt der Scharia ist. Zwar basiert das islamische Recht auf der Scharia, jedoch nicht alles, was in der Scharia vorkommt, hängt unmittelbar mit dem islamischen Recht zusammen. Sogar im Koran lässt sich der Begriff Scharia in keinem juristischen Zusammenhang finden. Er kommt in Sure 45:18 mit der ursprünglichen Bedeutung "der Weg, der zur Quelle führt" bzw. "der von Gott gebahnte Weg" vor. Auch die Beurteilungen sind nicht einfach im Koran oder den Überlieferungen zu finden, wie in der gegenwärtigen Zeit häufig von fundamentalistischen Positionen behauptet wird. Vielmehr haben die muslimischen Gelehrten im Laufe der Zeit eine eigenständige wissenschaftliche Disziplin entwickelt. Diese Rechtsmethodologie (uṣūl al-fiqh) zielt darauf ab, sowohl unter Berücksichtigung der muslimischen Quellen als auch des Kontextes und des Allgemeinwohls, Verhaltensregeln aufzustellen.

Abraham ist im Koran der am häufigsten erwähnte Prophet und gilt als einer der 5 erhabenen Gesandten im Islam (Ulu l-azm). Der Status des Gesandten ist der höchste, den ein Mensch erlangen kann.

Abraham gilt als ein Gottesgesandter, der den Auftrag hatte, das Volk des Stammes Israel zu ermahnen und es zum Glauben an den einzigen Gott einzuladen. Der Koran beschreibt Abraham als "Gottesfreund" und "Vater der Gläubigen". Weiters wird er als "Imam für die Menschen" bezeichnet und sein Glaube besonders hervorgehoben, da er durch die Beobachtung der Natur und auf dem Wege der Vernunft zu der Überzeugung von der Existenz Gottes gekommen ist. Er gilt als der Stammvater der Gläubigen und wird von den MuslimInnen bei jedem rituellen Gebet zusammen mit dem Namen Muhammads genannt.

Abraham stellt, auch aus der Sicht des Koran, wichtige Gemeinsamkeiten zwischen den drei monotheistischen Religionen her und kann als ein Bindeglied und wichtiger Faktor für den interreligiösen Dialog dienen.

Im Islam unterscheiden wir zwischen Erlaubtem (halal) und Verbotenem (haram). Alles, was nicht ausdrücklich verboten wurde, ist erlaubt. Alkoholkonsum (ḫamr) gehört zu jenen Handlungen, die im Islam verboten sind. Darin sind sich alle sunnitischen Rechtsschulen und die Schi'a einig. Zu den Anfangszeiten der Offenbarung wurde Wein noch konsumiert. Im Nachhinein kam es aber zum stufenweisen (16:67, 2:219; 4:43) Verbot durch den Koran. Der Vers, aus dem sich dieses Verbot ableiten lässt, lautet wie folgt: "O ihr, die ihr Glauben erlangt habt! Berauschende Getränke und Glücksspiele und götzendienerische Praktiken und das Wahrsagen der Zukunft sind nur ein abscheuliches Übel von Satans Werk: meidet es denn, auf dass ihr einen glückseligen Zustand erlangen möget!" (5:90)

Weiters wird ein Verbot auch durch zahlreiche Überlieferungen des Propheten Muhammad unterstützt. Es muss erwähnt werden, dass im Arabischen unter ḫamr nicht nur Wein und Alkohol im Allgemeinen verstanden werden. Vielmehr werden damit alle Getränke oder Substanzen bezeichnet, die den Verstand trüben bzw. berauschen. Daher umfasst dieses Verbot sowohl alle alkoholischen Getränke als auch Drogen.

Im Islam sind alle Lebensmittel erlaubt, die zu den "guten Dingen des Lebens" (5:4) zählen. Es sind nur diejenigen Speisen verboten, die durch den Koran und die Sunna eindeutig bestimmt sind. Dazu zählt unter anderem das Schweinefleisch: "Er hat euch nur Aas verboten und Blut und das Fleisch vom Schwein und das, worüber irgendein anderer Name als Gottes angerufen worden ist; ..." (2:173). Ähnlich kommt es in Sure 16:115 vor. Es wird kein bestimmter Grund für das Verbot angegeben. Obwohl heutzutage Musliminnen und Muslime viele unterschiedliche Erklärungen für das Verbot finden, ändert es nichts an der Tatsache, dass in den islamischen Quellen keine explizite Begründung zu finden ist. Man geht davon aus, dass Gott nur diejenigen Dinge verbietet, die schädlich für den Menschen sind. Damit folgt der Islam mit dem Verbot des Verzehrens von Schweinefleisch der Tradition des Judentums und des Alten Testaments.

Allgemein ist anzumerken, dass zu dieser Thematik unterschiedliche zumeist gegensätzliche wissenschaftliche Ergebnisse vorhanden sind. Einerseits werden einige medizinische Vorteile des Fastens bestätigt, andererseits wird auf die Gefahren, besonders des Flüssigkeitsmangels, hingewiesen. Grundsätzlich werden dem Fasten positive Effekte (Reinigung und Entgiftung des Stoffwechsels) für den Körper zugeschrieben. Zu den unerwünschten Nebenwirkungen, die auftreten können, zählen der Abfall des Blutdrucks und des Blutzuckerspiegels, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl etc. Aus diesen Gründen gilt im Islam die goldene Regel: Das Fasten ist nur dann erlaubt, wenn keine gesundheitlichen Schäden zu befürchten sind. Wichtig in diesem Zusammenhang ist das Individuum. Daher empfiehlt sich das Gespräch mit dem Arzt, der diesbezüglich das letzte Wort haben sollte. Bei nachgewiesenen gesundheitlichen Schäden ist aus theologischer Perspektive das Fasten nicht erlaubt.

Wie in fast allen großen Religionen, ist die Homosexualität auch im Islam ein sehr ambivalentes Thema. Auch wenn Muslime in der Vergangenheit mit diesem Thema relativ gelassen umgegangen sind, kann aktuell in manchen Regionen unter Musliminnen und Muslimen eine wachsende Aversion gegenüber Homosexualität beobachtet werden. Ein Grund dafür sind vor allem die unreflektierten konservativen Strömungen, die Homosexualität nicht nur verbannen, sondern dafür eine Strafe vorsehen. Neue theologische Ansätze lassen die Hoffnung auf eine theologische Rehabilitierung aufkommen, sind aber immer noch in der Minderheit. Angesicht der Tatsache, dass die wichtigsten islamischen Quellen diesbezügliche keine verbindliche Aussage beinhalten, steht einer theologischen Position, die die Homosexuellen mit anderen Menschen gleichstellt, nichts entgegen.

Grundsätzlich kann diese Frage bejaht werden. Andererseits entspricht die Vorstellung von gleichen Rechten, wie wir sie heute verstehen, nicht unbedingt dem Verständnis der heiligen Schriften, die in einem ganz anderen Kontext entstanden sind. Anders gesagt: sind aus islamischer Perspektive Frau und Mann als Menschen vor Gott gleichberechtigt. Denn es kommt nicht auf das Geschlecht an, sondern um die Haltung an, die man einnimmt. Im Koran heißt es diesbezüglich: "O Menschen! Siehe, Wir haben euch alle aus einem männlichen und einem weiblichen erschaffen, und haben euch zu Nationen und Stämmen gemacht, auf dass ihr einander kennenlernen möget. Wahrlich, der edelste von euch in der Sicht Gottes ist der, der sich seine am tiefsten bewusst ist. Siehe, Gott ist allwissend, alle gewahr." (Koran 49:13). In einem weiteren Koranvers heißt es: "Ich werde nicht die Mühe irgendeines von euch aus der Sicht verlieren, der sich müht (auf Meinem Weg), sei es Mann oder Frau: jeder von euch ist ein Abkömmling des anderen ...". (Koran 3:195) Die Ungleichbehandlungen, die auch heutzutage bekannt sind, hängen mit einigen rechtlichen Vorschriften zusammen, die in einem anderen Kontext entstanden und auf die heutige nicht übertragbar sind. Diese werden heutzutage von vielen modernen Gelehrten und feministischen Strömungen abgelehnt. Grundsätzlich sind die Quellen des Islam offen, um die Gleichstellung von Frau und Mann zu legitimieren.